Bergsteiger gelten als bedächtige, oft schwierige Menschen. Der Allgäuer ist es fast immer. Kein Wunder mithin, dass die Vereinsgründung entlang der oberen Iller nicht ganz so glatt ablief wie andernorts.

Gründung der Sektion Allgäu-Kempten 1871

Noch im Gründungsjahr des DAV war die Sektion Augsburg entstanden. Ihr Gebiet sollte auch das Allgäu umfassen und es sollten in Immenstadt und Kempten Zweigvereine entstehen. In Immenstadt geschah das auch, mit Kempten zerschlugen sich die Gespräche. Man wollte unter sich sein, nicht bloß eine Außenstelle der Augsburger.

Dann kam zunächst der Krieg mit Frankreich. Erst danach, am 6. September 1871, beschloss ein kleiner Kreis von Bergfreunden auf der Burghalde die Gründung einer Sektion. Sie sollte den Namen "Allgäu" tragen und ihren Sitz in Kempten haben. Und so heißt sie bis heute. Auch im Vereinsregister steht "Sektion Allgäu-Kempten" und nicht Sektion Kempten (Allgäu), wie manche leider immer wieder sagen und schreiben. Es sollte und wollte eine Sektion für das Allgäu sein und nicht nur für dessen Metropole. Aus gleichem Gedanken trug und trägt unsere südliche Nachbarsektion den Vereinsnamen "Allgäu-Immenstadt". Sie wurde 1877 gegründet.

Gründung des Deutschen Alpenvereins 1869

1862 gründeten Wiener Professoren und Studenten den Österreichischen Alpenverein (OeAV). Sein Vereinsleben blieb auf Wien fokussiert, seine Tätigkeiten konzentrierten sich hauptsächlich auf wissenschaftliche Vorträge und Publikationen. Daher gründeten 1869 deutsche und österreichische Bergsteiger in München den Deutschen Alpenverein (DAV), der dezentral in Sektionen organisiert war. 

Er hatte das Ziel, die touristische Erschließung der „Deutschen Alpen“ (Ostalpen) und die praktische Arbeit im Gebirge zu fördern. Seine Sektionen stammten aus den Gebieten des 1871 entstandenen Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns. 

Sie betreuten ihre Arbeitsgebiete in den Alpen, errichteten Hütten und Wege, bildeten Bergführer aus und setzten sich für die Belange der lokalen Bevölkerung in den Alpen ein.Das rasche Wachstum des DAV führte 1873 zur Verschmelzung von DAV und OeAV zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV).

Die Generalversammlung des DuOeAV übertrug die Leitung des Gesamtvereins für einen Zeitraum von drei, später fünf Jahren auf eine sogenannte Vorortsektion, dessen Vorsitzender zum Präsidenten des DuOeAV ernannt wurde. Der Standort der Vereinskanzlei mit einem Sekretär und den Mitarbeitern war stets am Vorort.